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Trivadis unterstützt Kulturprojekt: Die Maschinen zum Tanz aufgefordert

Drei anmutige, filigrane Maschinen auf einer ansonsten leeren, dunklen Bühne. So begann und endete das Tanztheaterstück «Robespierre» von Antonin Rohdich auf der Bühne S in Zürich, aufgeführt an drei Wochenenden im Januar. Fast-forward von Kraftwerks «Wir sind die Roboter» aus dem Jahr 1978 in die Gegenwart.

Den inhaltlichen und symbolischen Rahmen des Theaterstücks bildeten Robespierre und die Guillotine, durch die Tausende während der französischen Revolution ihr Leben verloren. So waren Begriffe wie Terror, Tugend und Tod von Beginn bis Ende des Stücks allgegenwärtig. Die zentrale Elemente des Stücks bildeten die drei anfangs erwähnten Maschinen – sowohl in der Interaktion mit den sechs jungen Schauspielern als auch als Geräuschkulisse, die die Stille durch monotones Summen, Klicken und Poltern sanft durchbrach.

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Damit «Robespierre» zustande kommen konnte, war das «Kollektiv raum grau», welches diese Produktion auf die Beine stellte, auf finanzielle Unterstützung angewiesen. Eine Maschine wurde über die Crowdfunding-Plattform «wemakeit» gesponsert und eine weitere Maschine von Trivadis direkt finanziert. Und die Investitionen haben sich gelohnt: «Robespierre» war ein voller Erfolg. Der Andrang war so gross, dass einige Zuschauer auf der Tribünentreppe oder auf Stühlen, die zusätzlich im Ein- und Ausgang aufgestellt wurden, Platz nehmen mussten. Dies war der Atmosphäre und der Unterhaltung jedoch in keinster Weise abträglich.

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Trotz der traurigen Handlung mit tragischen Schicksalen vermochte das Theaterstück den gespannten Zuschauern einige Lacher zu entlocken. Somit dienten die Maschinen vollends dem Zweck, extra für dieses Stück erschaffen worden zu sein. Weitere Funktionen hätten sie laut Antonin Rohdich auch nicht zu erfüllen. So seien Maschinen «immer auch ästhetische Objekte, da sie sich, genau wie jedes Kunstwerk, um die Leere herum konstruierten, weil da ein Loch sei in der Maschine.»

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Die Interaktionen der Schauspieler mit den Maschinen funktionierte reibungslos – allerdings gab Antonin Rohdich am Ende zu, dass sie auch des Öfteren getan hätten, was sie wollten. Dieser Umstand hätte die Arbeit mit den Maschinen mühsam, auch sehr interessant gemacht. Von diesem Umstand können viele Menschen, vor allem in der IT, ein Liedlein singen.

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6 Fragen an Antonin Rohdich

Wir wollten die Hintergründe, wie es zu diesem interessanten Ansatz für das Theaterstück kam und wie die Umsetzung lief, genauer erfahren und haben uns mit Antonin Rohdich unterhalten:

Woher kam die Idee zur Aufführung eines Theaters zu Robespierre in Verbindung mit Maschinen?

Antonin Rohdich (A.R.): «Die Idee zu einem Theater in Verbindung mit Maschinen kam mir vor ungefähr einem Jahr, als ich mich intensiv mit Infrastruktur beschäftigte. Autobahnen und Bahnhöfen zum Beispiel. Ich stiess auf die Maschine und begann mich mit ihrer Tanzqualität auseinanderzusetzen. Hier kommt mein Kollege Luka ins Spiel: Ich wusste, dass er ein grosser Tüftler ist und auch einen ästhetischen Blick hat. Wir begannen, über Maschinen als Tänzer auf der Bühne zu reden. Robespierre als historische Figur geisterte schon länger in meinem Kopf herum. Ich habe das dann also einfach zusammengenommen.»

Wie verlief der Prozess der Entwicklung und des Baus der drei Maschinen, welche Abstriche musstet ihr machen?

A.R: «Luka und ich machten gemeinsam Entwürfe. Ursprünglich hatten wir uns mehr Maschinen vorgestellt, die um einen Industrieroboter angesiedelt waren – einen echten Industrieroboter. Den Roboter mussten wir aus Kosten-, Zeit- und Räumlichkeitsmangel ziemlich bald streichen. Schlussendlich entschieden wir uns für drei Maschinen, wobei die letzte Maschine, der pneumatische Arm mit dem Kassenrollenkopf, erst während der Probenphase gefertigt wurde.»

Welche Rolle spielen deiner Meinung nach Maschinen im Leben der Menschen? Und wie wird diese sich verändern?  

A.R: «Die Maschine ist überall. Sie surrt im Hintergrund unserer Gesellschaft. Auf der Bühne ist sie aber viel länger schon, die Bühnenmaschine. Auch hier tritt sie versteckt auf. Mich hat interessiert, was mit der Maschine passiert, wenn man sie als das sieht, was sie ist: Und siehe da, das Geheimnis ist noch grösser geworden. So eine Maschine, so ein Maschinenkörper scheint mir, immer Geister zu produzieren, ganz tolle Geister. Ich hoffe, dass die Gesellschaft noch mehr Ressourcen dafür investiert, diese Energie zu nutzen, auch in einem ästhetischen Sinn. Die wirtschaftliche Frage nach der Maschine, die Eigentumsfrage, steht ja auch noch im Raum.»

Die Maschine, mit der Robespierre in Verbindung gebracht wird, ist die Guillotine. Welcher Maschine schreibst du in deinem Leben die grösste Bedeutung zu und aus welchem Grund?

A.R: «Ich glaube, es wird wohl das Tram sein, oder der Zug und die gesamte Infrastruktur, die dazugehört. Aber natürlich auch all die kleinen und vernetzten digitalen Maschinen, die kommunizieren. Kaum eine Maschine kommt ja heute aus, ohne Teil eines digitalen Netzes zu sein.»

Was ist die Kernbotschaft, die du mit diesem Stück senden möchtest?

A.R: «Es geht in meinem Stück viel um Sprache und um Ideologie. Schliesslich ist unsere älteste Maschine ja das Wort, und unsere neuen, digitalen Maschinen kaum mehr als materielle binäre Sprache. Alle meine Charaktere wollen etwas, kommen aber nicht ganz heran – ihnen steht etwas im Weg, aber sobald sie den Widerstand entfernen wollen, verlieren sie das ganze Ding.

Sie sind auch etwas verloren, wie viele junge Leute in der heutigen Gesellschaft – es fehlt etwas, das sie entgegenzuhalten hätten, eine Art Gegenideologie zum Bestehenden. Und da ist auch noch der Tod, diese grosse Kränkung, der als Gewissheit in dem Ungewissen einfach dasteht – und genauso, scheint es uns – fälschlicherweise –, ist es manchmal mit dem Status Quo.»

Weiterführende Informationen

 

Topics: Nachgefragt Industrie 4.0 Vermischtes