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Schwabengipfel im Zeichen der Digitalen Transformation

Zum sechsten Mal hielt Trivadis am 5. Juli 2018 den „Schwabengipfel“ in der Filderhalle bei Stuttgart ab. Die IT- und Technologieveranstaltung für den Süden Deutschlands – gesponsert von Oracle – stand, wie sollte es anders sein, wieder ganz im Zeichen der Digitalisierung. Unter dem Motto „Digitalisierung? Läuft!“ hörten rund 80 Teilnehmer drei Keynotes und zehn Sessions zu den Themenblöcken Trend-Technologien, Anwendungs-Modernisierung, Data Analytics und Methoden. Schon in seinen Begrüssungsworten liess Sandro Crepaldi, Gastgeber und Leiter der Trivadis Niederlassung Stuttgart, keinen Zweifel daran, dass IT heute und auch weiterhin von den überall anfallenden Datenmengen bestimmt wird. Diese müssten gesammelt, aufbereitet und analysiert werden, so dass Kunden damit ihre bestehenden Prozesse optimieren und neue Geschäftsmodelle umsetzen können.

Neue Geschäftsmodelle sind erforderlich

Das war auch der Inhalt der von nahezu missionarischem Eifer getriebenen Keynote von Professor Bernhard Kölmel von der Hochschule Pforzheim. Er warnte die deutsche Industrie davor, sich auf ihren Effizienzgewinnen durch Industrie-4.0-Projekte auszuruhen und in Selbstlob zu verfallen. Es sei zwar gut und richtig, wenn der Maschinenbau bis auf die zweite Stelle hinter dem Komma optimiere, ohne neue Geschäftsmodelle, werde dieses Verhalten aber nicht weit in die Zukunft tragen. Anhand zahlreicher Anekdoten aus eigener Anschauung in vielen Industriebetrieben konnte er berichten, dass nur ein kleiner Teil aller laut Bitkom so digitalisierten deutschen Unternehmen tatsächlich disruptierten. Neben den Effizienzsteigerern warnte er auch davor, Digitalisierungsprojekte nur aus Marketinggründen zu betreiben.

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Individualisiertes Insektenfood aus dem 3D-Drucker

Er forderte die Teilnehmer auf, die neuen Möglichkeiten der Digitalisierung als Chance zu begreifen, und offen gegenüber den Gelegenheiten in der eigenen Branche zu sein. Dafür müsste Technologieentwicklung über mindestens fünf Jahre extrapoliert werden; und entstehende Technologien nicht nach den heutigen Möglichkeiten und Marktchancen beurteilt werden. Er warnte auch davor, neue Technologien grundsätzlich abzulehnen. Es müsste immer geprüft werden, welche Chancen man sich entgehen lasse, und ob nicht ein Ordnungsrahmen besser wäre, als ganz darauf zu verzichten, meinte er mit Blick auf die Skepsis gegenüber Gentechnik. In guter schwäbischer Manier besteht er allerdings weiter auf seine hausgemachten Maultaschen, er geht selbst allerdings davon aus, dass Essen in absehbarer Zeit aus dem 3D-Fooddrucker kommt. Es werde nach individuellen Bedürfnissen, die aus dem persönlichen digitalen Datenprofil ermittelt werden, wie Lebensstil, Gesundheitszustand etc., auf Insektenbasis jedes Mal neu gemischt.

Basistechnologien für die Digitale Transformation 

In den anschliessenden Sessions beschäftigten sich die Teilnehmer dann auch mit den neuesten IT-Technologien, die das Potential haben, neue Geschäftsmodelle zu ermöglichen. Daimler zeigte etwa ein Blockchain-Pilotprojekt. Damit lässt sich auch in Ländern, in denen Daimler Financial Services nicht vertreten sind, sicherstellen, dass finanzierte Trucks nicht verschwinden oder weiter genutzt werden, wenn die Raten ausbleiben. Ein Rechtsanwalt erläuterte anschliessend die rechtlichen Rahmenbedingungen für Blockchain-Anwendungen.

Ohne DevOps, oder besser DevSecOps, geht nichts. Deshalb ist es wichtig den Status der eigenen IT-Abteilung in Bezug darauf zu kennen. Martin Luckow von Trivadis stellte dafür ein DevSecOps Assessment vor; das Assessment ist übrigens als Beta-Version (Stand Juli 2018) für eine erste Evaluierung online verfügbar. Im Anschluss zeigte Steffen Schluff, von der mittlerweile zu Trivadis gehörenden OIO Orientation in Objects, wie Atlassian Tools dabei helfen, DevOps in der Praxis umzusetzen. OIO ist Atlassian Partner, dieses System ist damit nun auch für Trivadis Kunden einfach verfügbar.

Um den grossen Datenbestand, der mittlerweile in vielen Unternehmen verfügbar gemacht wurde oder wird, zu nutzen, empfehlen sich Self Service Data Analytics. Dabei handelt es sich um einfach zu bedienende Tools mit denen etwa auf Abteilungsebene selbst Datenanalysen gefahren werden können, ohne dass ein Data Scientist benötigt wird. Datenanalysen können somit Teil des beruflichen Alltags werden und in vielen Unternehmensbereichen, von Vertrieb bis Produktentwicklung, zu mehr Umsatz und besserer Wertschöpfung dank besseren Einblicken führen.

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Adrian Hummel, aus dem Business Development von Trivadis, stellte vor, was die erfolgskritischen Komponenten für konstante Erneuerung im Tagesgeschäft sind. Mathias Niete von OIO zeigte, wie den agilen Anforderungen mit Atlassian-Tools begegnet werden kann. 

Wenn aus Hypes echte Trends werden

In der zweiten Keynote des Tages widmete sich Trivadis CTO Dr. Martin Wunderli der Frage, ob sich in den jährlichen Trend-Vorhersagen der Analysten nicht nur Hypes, sondern auch nachhaltige Themen identifizieren lassen. Seine Vergleiche führten ihn zunächst zur Feststellung, dass die Auguren mittlerweile nicht nur reine Technologien, sondern auch Themengebiete als Trends identifizierten. So halten sich Digitalisierung, Intelligenz und Mesh seit zwei Jahren anhaltend oben in den Rankings. Daraus zog er exemplarisch drei Themen heraus, die er für wichtig hält: Digital Twins, Event Driven Models und Continous Adaptive Risk and Trust.

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Digital Twins können nicht nur virtuelle Kopien einzelner Maschinen sein; langfristig ist sogar denkbar, ganze Unternehmen algorithmisch digital abzubilden – dahin ist es aber noch ein langer Weg. Doch für Simulationen von Maschinensituationen oder Prozessen eigenen sich die digitalen Zwillinge heute schon. Sie können helfen Maschinen, effizienter, schonender und sicherer einzusetzen. Der CTO von Trivadis stellte Zahlen vor, wonach geschätzt wird, dass Unternehmen schon im Jahr 2022 eine Billion US-Dollar weltweit bei der Instandhaltung sparen.

Wunderli forderte dann auf, neue Systeme Event-getrieben zu entwickeln. Damit würden sie den heutigen Anforderungen an Komponenten in zukünftigen Diensten am Besten entsprechen. Das Digital Business ist ereignisgesteuert, Unternehmen müssen daher in Ereignis-zentrierte Prozesse, Designpraktiken und Technologien investieren, so Wunderli. Für das Jahr 2020 rechnet Wunderli nach Prüfung der Analystenvorhersagen damit, dass 50 Prozent der APIs auch Event-basiert verfügbar sein werden.

IT-Sicherheit in der Digitalen Transformation

Den Abschluss der Keynote richtete den Blick auf die Entwicklung der IT-Sicherheit in total digitalisierten Zeiten. Denn statische Vertrauensmodelle funktionieren nicht in einer Welt von IT-aktivierten Diensten, die Benutzern jederzeit und überall und mit jedem Gerät zur Verfügung gestellt werden. Das digitale Risiko muss kontinuierlich überwacht, bewertet und adaptiv beantwortet werden.

Traditionelle Sicherheitswerkzeuge und -prozesse sind für DevSecOps und agile, digitale Geschäftsinitiativen ungeeignet. Das liegt daran, dass sie perfekte Anwendungen erfordern, was aber deren Lieferung verlangsamt. Eine Lösung ist Continuous Adaptive Risk and Trust (CART). Seine Empfehlung lautet: Den Fokus wechseln und weniger auf Blockierung von Eindringlingen, sondern mehr auf risiko- und vertrauensbasierte Sicherheitsbewertungen in Echtzeit übergehen. Ausserdem mit der Einführung von DevSecOps und mit Sicherheitsschulungen beginnen sowie aktuelle Sicherheitstools in die DevOps Toolchain integrieren.

Die vier Sessions am Nachmittag beschäftigten sich unter anderem mit Machine Learning zur Fehlerprognose, also quasi damit, wie man einem Digital Twin beibringt, Fehler zu erkennen. Das Landesamt für Versorgung aus Baden-Württemberg stellte in einer zweiten Session vor, wie die modulare Digitalisierung mittels Container-Technologie erfolgen kann. Pragmatische Ansätze, die Ordnung in das Chaos der Data Lakes bringen können, stellte in einer dritten Session Peter Welker, Senior Principal Consultant bei Trivadis, vor. Einen Überblick über die fünf wichtigsten Technologien, wie sie in heutigen IT-Infrastrukturen auftauchen sollten, gab Anatol Tresch von Trivadis.

Data Analytics: der ethisch moralische Blick

Der Konzeptkünstler Florian Mehnert schloss den Tag schliesslich mit einem kritischen Blick auf den gläsernen Menschen ab. Nachdem den ganzen Tag über Technologien und neue Geschäftsmodelle auf Basis individualisierter Daten (von Maschine oder Mensch) gesprochen wurde, zeigte Mehnert ruhig, sachlich aber sehr klar die Konsequenzen auf. Was passiert, wenn es keine Preisvergleiche, keine Versicherungsvergleiche, keine Kreditvergleiche mehr gibt, weil alle Angebote individuell berechnet werden; was passiert, wenn die Lebenserwartung oder das Risiko kriminell zu werden, berechnet werden können. Und nicht zuletzt stimmt diese Berechnung überhaupt, wie genau können Algorithmen eigentlich sein und was bedeutet es, wenn Algorithmen Fehler machen? Viel Stoff zum Nachdenken bot der Schwabengipfel also, nicht nur über Technologien, sondern auch über die ethischen Konsequenzen des datengetriebenen Zeitalters.

Weiterführende Informationen: 

Topics: Industrie 4.0 Internet of Things Digital Business Transformation Events