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Potenziale von Open Source – Nachgefragt bei Andres Almiray

Die Open-Source-Bewegung ist auf dem Vormarsch, auch in der Schweiz hat der Einsatz von Open Source Software in den letzten drei Jahren weiter zugenommen. Mit Andres Almiray arbeitet einer der ganz grossen Verfechter dieser Bewegung bei Trivadis. Der gebürtige Mexikaner beschäftigt sich seit den Anfängen von Java mit Web und Desktop Application Development. Heute ist er Java/Groovy Developer und ein Java Champion mit über 19 Jahren Erfahrung in Software Design und Development. Wir haben nachgefragt, warum Open Source uns alle etwas angeht.

Am vergangenen TechEvent hast du einen Vortrag mit dem eingängigen Titel «Why Open Source Matters» gehalten. Gibt es eine kurze Antwort auf diese Frage?

aalmiray_joker_390x400_15301766224370014GCDAndres Almiray: Ja, eigentlich sollte sich jeder für die Open-Source-Technologie interessieren. Denn sie ist überall. Sie ist in unseren Krankenhäusern und kümmert sich um uns. Sie ist in unseren Banken und regelt unseren Kontostand. Sie ist in unseren Schulen und unterrichtet unsere Kinder. Sie ist in unseren Regierungen und ermöglicht Informationsaustausch. Sie ist überall.

Was bedeutet Open Source für dich persönlich und weshalb ist es ein so grosser Teil deines Lebens?

Andres Almiray: Für mich ist in Open Source eine Lebensweise. Viele, die in die Open-Source-Entwicklung einsteigen, tun dies, um «einen Juckreiz zu lindern». Das heisst, sie beschäftigen sich mit einem bestimmten Problem und posten anschliessend die Lösung, da die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass andere das gleiche Problem haben. Indem man anderen den Code zur Verfügung stellt, fördert man die Zusammenarbeit – so ergeben sich Möglichkeiten für gemeinsame Projekte. Man fühlt sich ausserdem verpflichtet, sein Bestes zu geben, sowohl was Code-Idiome als auch -Techniken betrifft. Das heisst, man zwingt sich selber dazu, ein möglichst gutes Ergebnis abzuliefern und für Fragen bereit zu sein. Durch das Feedback der anderen hat man dann die Chance, seine Fähigkeiten und Skills auszubauen. Dadurch entsteht insgesamt bessere Code-Qualität.

Gemäss der Open-Source-Studie der Universität Bern im Jahr 2018 basieren immer mehr Lösungen in der Schweiz auf Open Source. Was sind die Gründe für diese Entwicklung? Welche Vorteile hat Open Source gegenüber Closed Source?

Andres Almiray: Open-Source-Entwicklung geschieht in einer gemeinschaftlichen Umgebung, in der alle Teilnehmer Zugang zum ganzen Code haben. So können allfällige Probleme und Schwierigkeiten einfacher identifiziert werden. Ein oft zitierter Vergleich ist folgender: Wann ist es wahrscheinlicher, dass jemand ein auf der Strasse geparktes Auto stiehlt? Mitten in der Nacht, wenn es dunkel ist und so gut wie niemand auf der Strasse unterwegs ist, oder am Tag, wenn viele Leute die Strasse hoch und runter laufen? Closed Source ist das Auto während Mitternacht und Open Source ist das Auto zur Mittagsstunde. Die Möglichkeit, das Auto zu stehlen, steht für die Wahrscheinlichkeit, dass ein Bug oder ein Problem im System auftaucht. Das heisst nicht, dass Open Source Code keine Bugs oder Probleme enthält, aber es ist schwieriger, dass solche Probleme bis zur Produktivsetzung unentdeckt zu bleiben.

code-1486361_1920Photo by markusspiske on Pixabay

Die Zusammenarbeit in der Open-Source-Community bedingt ausserdem eine gemeinsame Sprache sowie festgelegte «Spielregeln». So können alle Beteiligte ihr Wissen teilen, ohne Angst haben zu müssen, dass jemand mit dem Code abhaut. Man sieht sehr oft Konkurrenten gemeinsam an einem Projekt zusammenarbeiten und ihre Ressourcen für ein gemeinsames Ziel zusammenlegen. Wie sagt man so schön? «Sharing is caring.»

Es gibt sicher auch Fallstricke beim Arbeiten mit Open Source. Welche sind das und wie kann man diese bewältigen?

Andres Almiray: Wie überall im Leben gibt es auch bei Open Source keine goldenen Hämmer oder silberne Kugeln als «Allheilmittel». Die gemeinschaftlichen Aspekte und der positive Feedback-Loop der Open-Source-Community sind nur die eine Seite der Medaille – sie bedingen auf der anderen Seite ein gewisses Mass an Vertrauen, damit eine fruchtbare Zusammenarbeit überhaupt stattfinden kann.

Es kann auch vorkommen, dass Open-Source-Projekte nicht so verlaufen, wie man sich dies wünscht – ganz ähnlich wie bei Closed Source. So kann es z. B. sein, dass andere nicht mehr am Code weiterarbeiten oder die Zusammenarbeit verweigern. Oder dass die Qualität in einem Projekt leidet oder sich nur komplexe bzw. überhaupt keine Möglichkeiten für Erweiterungen ergeben.

Das grösste Risiko bei Open Source ist vermutlich, nur passiv zu konsumieren. Wenn man aber ein aktiver Teil der Open-Source-Community wird, kann man einen Beitrag dazu leisten, in eine Richtung zu navigieren, die einem selbst und allen anderen am meisten hilft. Im Falle eines Projekts ohne Führung oder klare Richtung (wie ein Schiff ohne Kapitän) kann jemand das Ruder in die Hand nehmen und die Situation retten. Das ist in einer Closed-Source-Umgebung viel schwieriger. Dort besteht die wahrscheinlichste Konsequenz darin, dass das Projekt in den Sand gesetzt wird.

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Weiterführende Informationen

Topics: Nachgefragt Agile Projekte