header_home_wuerfel_1920px.jpg

Multi Cloud und Hybrid Cloud − Nachgefragt bei Martin Wunderli

Kaum ein Unternehmen setzt nur mehr noch auf einen einzigen Cloud-Anbieter. Eine Cloud-Studie von 451 Research im Auftrag von NTT Com und Dell EMC, durchgeführt in 14 europäischen Ländern, ergab, dass Multi-Cloud-Umgebungen schon bei 84 Prozent der Unternehmen im Einsatz sind. Als Gründe geben die Befragten die schnellere Bereitstellung, niedrigere Kosten und höhere Agilität an. 63 Prozent der Befragten verfügen bereits über eine formale Strategie oder eine Pilotanwendung für eine Hybrid Cloud.

Aber wie können Unternehmen diese komplexen Anforderungen im Cloud Computing bewältigen, welche Herausforderungen gilt es zu meistern und wie können externe IT-Dienstleister sie dabei unterstützen? Wir haben nachgefragt bei Dr. Martin Wunderli, CTO bei Trivadis.

Einer Studie zufolge werden bis Ende 2018 die Hälfte aller Unternehmen mehr als fünf verschiedene Cloud-Dienstleister nutzen. Macht das die Beherrschung der IT-Landschaft für Unternehmen nicht viel zu komplex?

Wunderli_Martin_18x24 Man sollte hier nicht in Panik verfallen – aber es ist tatsächlich Fakt, dass die Angebote der diversen Public-Cloud-Anbieter immer vielfältiger werden. Die entscheidende Frage ist, ob Unternehmen über Leitplanken und Instrumente verfügen, welche es erlauben, die Vielfalt – und somit die Komplexität – zu beherrschen. Ein wichtiges strategisches Instrument ist beispielsweise eine massgeschneiderte Cloud-Policy, welche den Umgang mit Cloud-Diensten im Unternehmen regelt, oder ein zentrales Subscription- und Kosten-Management, um die Transparenz und Verrechnung nach dem Verursacherprinzip jederzeit sicherzustellen.

Die Modernisierung von bestehenden Applikationen wird in den nächsten Jahren stark in Richtung PaaS und SaaS gehen. IaaS bietet einfach nicht genug Vorteile gegenüber traditionellen On-Premises-Strukturen, und auch Container-Technologien sind hier nicht das Ende der Fahnenstange. Microservices und Serverless Computing (Stichwort: FaaS, Function as a Service) bieten interessante Entwicklungspfade für PaaS-Dienste, sofern man SaaS nicht nutzen kann oder will. Sie schöpfen die Potentiale von Cloud Computing, wie Skalierung und zentrales Management, so richtig aus.

Dabei wird sich ein Trend zum hybriden Multi-Cloud-Ansatz abzeichnen, weil wohl nicht alle Dienste in die Public Cloud wandern können. Entscheidend hierbei ist auch der Trend in Richtung SaaS, wo die Kunden den jeweils besten Service nutzen wollen. Die interne IT wird dabei zunehmend die wichtige Rolle des Cloud Service Brokers übernehmen. Der Cloud Provider als zentraler Faktor hinter den Services wird immer weniger entscheidend.

Wo sehen Sie die grössten Herausforderungen für Anwenderunternehmen in Sachen Hybrid Cloud?

Martin Wunderli: Zuerst einmal würde ich das Umdenken von Hardware- und Software-Bereitstellung sowie dessen Management zu einem „as-a-Service-Approach“ als Herausforderung sehen. Zu Deutsch, der Service-Gedanke bei der Beschaffung, bei der Abrechnung und bei der internen Steuerung („Governance“). Ganz praktisch geht es dann beim Identity und Access Management um die Bereitstellung von Single-Sign-On: Hier müssen On-Premises- und Cloud-Dienste für den Anwender transparent miteinander verbunden werden.

monitor-862116_1920Photo by geralt on Pixaby

IT Consumption wird immer mehr zu einer Service Consumption, bei der der Service Provider nicht mehr im eigenen Haus sitzt. Hier darf man den Anwender nicht alleine im Regen stehen lassen, sondern muss die entsprechenden Management- und Governance-Strukturen in der internen IT bereitstellen. Denn schliesslich soll die Bereitstellungsart von IT-Diensten möglichst transparent für den Endanwender sein. Auf der anderen Seite kann man nicht wegdiskutieren, dass hier ein Paradigmenwechsel von der IT-zentrischen Sicht auf die User-zentrische Sicht stattfindet. Und dieser Wandel muss gemeinsam mit dem Endanwender angegangen werden.

In dem Masse, in dem der Kunde immer mehr in Services denkt, wird dies übrigens auch uns als Dienstleister betreffen. Wir müssen unsere Leistungen also zukünftig auch als Services anbieten. Dafür müssen wir in agilen Projekt- und Betriebsmethodiken firm sein, damit wir der Dynamik, die sich unweigerlich in solchen Mandaten ergibt, folgen können.

An der Stelle möchte ich den Rahmen noch etwas erweitern: Digitalisierungsprojekte sind zum einen aufgrund ihrer Anforderungen auf eine dynamische Infrastruktur angewiesen: Public Clouds also. Sie benötigen zum anderen eine Projektmethodik, die diese Dynamik unterstützt, das sind die agilen Projektmethoden. Und sie erfordern eine Zusammenarbeit aller Stakeholder, die die Projekte nach Ende der Entwicklung nicht in veralteten Strukturen versanden lässt: DevSecOps, wie wir sagen, nicht DevOps, ist hier die Antwort.

Welche Leistungen bietet Trivadis in den Bereichen Multi Cloud und Hybrid Cloud an?

Martin Wunderli: Grundsätzlich stellen die beiden Ansätze unterschiedliche Dimensionen dar: zum einen die Dimension Private, Public oder Hybrid Cloud, zum anderen das Zusammenführen und Nutzen von Diensten mehrerer (Public) Clouds. Diese Dimensionen können natürlich kombiniert werden.

In diesem Rahmen bieten wir eine End-to-End-Betreuung von strategischer Beratung, Planung (u.a. mit Assessment, TC-Berechnung, Machbarkeit), Implementierung, Training bis zum Betrieb an. Kunden können alle Module oder einzelne wählen, ihren Bedürfnissen entsprechend.

Besonders wichtig sind uns hier durchgängige Sicherheitsbetrachtungen. In unserem systematischen Top-Down und Bottom-Up Cloud-Transition-Vorgehen bewerten wir beispielsweise, ob sich bestimmte Services auch in Multi Cloud Setups realisieren lassen, oder ob Services nur von einem Provider bezogen werden können. Dabei stellt sich die Frage, ob ein Vendor Lock-in akzeptiert werden kann oder nicht. Ein weiterer Teil unserer Begleitung in die Cloud ist die Analyse aktuell genutzter Services. Also das Auffinden von Shadow Cloud, wie früher die Shadow IT zu Zeiten der Ablösung der Mainframes und anderer Zentralrechner.

Ein entscheidender Aspekt in einer Multi-Cloud-Umgebung ist die Konnektivität. Wir unterstützen unsere Kunden von der Ausgestaltung ihrer Cloud-Connectivity-Strategie, über die Auswahl des geeigneten Connectivity-Anbieters, bis zur Umsetzung und Integration in das bestehende Unternehmensnetzwerk.

Suchen Sie einen Partner für Ihre Digitale Transformation? Lernen Sie uns kennen. 

Mit unserem Beratungsansatz zeigen wir den Nutzen auf, weisen aber auch ganz klar auf die Risiken, respektive auf die Kosten hin.

Weiterführende Informationen

Topics: Cloud Computing Nachgefragt Digital Business Transformation