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Fehler- und Sicherheitskultur - Nachgefragt bei Robert Schröder

Unter dem Motto "Digitalization - better together" findet am 14. September in Regensdorf bei Zürich unser Trivadis TechEvent statt. Auf der grössten Schweizer IT-Veranstaltung wird sich in mehr als 70 Sessions in elf parallelen Tracks alles rund um die Top-Themen Digitalization, agile Projekt- und Organisationsformen, Blockchain und Cloud drehen.

Für die Keynote konnten wir Robert Schröder, Trainingskapitän und „Flight Safety Manager" bei der Lufthansa, gewinnen. In seinem Vortrag „Der Unterschied zwischen Fehlern und Versagen“, erklärt er, wie sich Manager die Fehlerkultur in der Luftfahrt auch auf dem Boden zunutze machen können und damit die Entscheidungs- und Führungskompetenzen ihrer Mitarbeiter verbessern. Wir wollten es genauer wissen und haben im Vorfeld schon mal nachgefragt:

Robert_SchroederHerr Schröder, der Titel Ihres Vortrags lautet „Der Unterschied zwischen Fehlern und Versagen“. Ganz kurz gesagt: Ist das nicht dasselbe?

Robert Schröder: „Im ersten Moment liegt diese Vermutung nahe. Und sie entspricht auch dem subjektiven Gefühl, das entsteht, wenn man einen Fehler gemacht hat. Tatsächlich sind es aber nicht Fehler, die zum Versagen führen, sondern das Ignorieren der menschlichen Fehlerhaftigkeit.“

 Von einem Piloten oder Flugkapitän nimmt man gerne an, dass sein Wort im Cockpit Gesetz ist. Stimmt das?

Robert Schröder: „Die Antwort auf diese Frage ergibt sich aus der vorherigen: Auch ein Kapitän ist ein Mensch und unterliegt damit der menschlichen Fehlerhaftigkeit. Darum arbeiten wir im Team. Es wäre fatal, wenn das Wissen und die Erfahrung der anderen Teammitglieder aufgrund einer starren Hierarchie ungenutzt blieben.“

Inwiefern können die Erkenntnisse der Flugsicherheit moderne Unternehmen weiterbringen? Immerhin sind hier keine sekundenschnellen Entscheidungen nötig. Gelten hier die gleichen Grundsätze?

Robert Schröder: „Natürlich gibt es Situationen im Cockpit, die sekundenschnelle Reaktionen verlangen. Die überwiegende Mehrzahl von Entscheidungen findet jedoch in einer sozialen Dynamik statt, die man auch „am Boden“ wiederfindet. Sowohl im Cockpit als auch im Büro ist immer die menschliche Interaktion das verbindende Element. Dabei ist es ganz egal, ob es um die Sicherheit der Passagiere oder um die Jahresbilanz geht: die besten Ergebnisse erreichen wir in Teams, die sich ergänzen und unterschiedliche Sichtweisen einbringen können. Klare Kommunikationsregeln und abgeflachte Hierarchien verändern den Umgang miteinander. Die Meinung jedes Teammitglieds ist gefragt. Das heisst aber nicht, dass in kritischen Situationen basisdemokratisch entschieden wird. Der Entscheidungsfindung muss ein strukturierter Prozess zugrunde liegen.

airport-2384837_1920Photo by RitaE on Pixaby

Visionäre Frage: Welche Schlüsse ziehen Sie aus den Erkenntnissen der Fehlerkultur, wenn es um die Interaktion mit modernen Systemen wie etwa künstlicher Intelligenz geht?

Robert Schröder: „Maschinen können viele Dinge besser und zuverlässiger als wir. Das konfrontiert uns mit der Frage, ob es sinnvoll ist, unsere Daseinsberechtigung lediglich daraus abzuleiten, möglichst wenige Fehler zu machen. Wir sollten uns auf die Suche nach menschlichen Eigenschaften machen, die eben nicht maschinell ersetzbar sind. Ich bin davon überzeugt, dass dann eine sinnvolle Interaktion menschlicher mit künstlicher Intelligenz möglich ist.“

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