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25 Jahre Trivadis − Nachgefragt bei Urban Lankes

Vor 25 Jahren, im März 1994, wurde Trivadis unter anderem von Urban Lankes, heute Verwaltungsratspräsident, mit der Vision gegründet, flexibler, schneller, innovativer und kundenorientierterer zu sein als ihre Mitbewerber. Zum Firmenjubiläum haben wir bei ihm nachgefragt, wie er die letzten 25 Jahre empfunden hat und was er erlebt hat.

Der Weg in die Selbstständigkeit folgte scheinbar ganz egoistischen Motiven; Sie sagten ‚Ich hatte keinen Bock mehr auf einen Chef.‘ War das, rückblickend gesehen, tatsächlich Ihre Haupt-Motivation, ein Unternehmen zu gründen oder stecken da noch andere Gründe dahinter? Sollte jeder „der keinen Bock mehr auf einen Chef hat“, ein Unternehmen gründen?

DSC_7545Urban Lankes (UL): Nein, natürlich nicht (lacht). Es gibt immer wieder Situationen, in denen man mit seinem Chef nicht einer Meinung ist. Ich war damals auch noch etwas jünger und wahrscheinlich ziemlich ungeduldig. Ausschlaggebend dafür, Trivadis zu gründen, war die Kombination aus Unzufriedenheit, der Überzeugung, dass man es besser machen kann als die Mitbewerber, und der Option, mit zwei Bekannten etwas Neues auf die Beine zu stellen.

Die Motivation keinen Chef mehr zu haben, haben Sie ja quasi eingetauscht in selbst Chef sein. Deshalb die Frage: ist selbst Chef sein nicht manchmal auch so schlimm, wie einen Chef haben?

UL: Definitiv. Wenn man was verbockt, muss man sich da selbst wieder raushauen. Es gehört für mich vor allem eine gewisse Hartnäckigkeit bis hin zu Sturheit dazu, nicht gleich beim ersten Rückschlag aufzugeben. Was ich bei Trivadis vom ersten Tag an geschätzt habe, war, dass wir Probleme immer sehr konstruktiv gelöst haben, auch wenn wir dafür manchmal mehrere Anläufe brauchten.

Mit der Gründung eines eigenen IT-Unternehmens wollten Sie eine Firma aufbauen, die „flexibler, schneller, innovativer und kundenorientierter“ sein sollte als die Konkurrenz. Nun sind doch das eigentlich genau die Eigenschaften, die ein Dienstleistungsunternehmen auszeichnen, möchte man als Kunde meinen. Sind Schnelligkeit, Flexibilität, Innovation und Kundenorientierung in der heutigen Zeit noch ausreichende Differenzierungsmerkmale, schliesslich schreiben sich das viele auf die Fahnen?

UL: Ja, das ist richtig. Die Werbebroschüren von Dienstleistungsunternehmen sind vermutlich alle ziemlich gleich. Zentral ist eigentlich vielmehr die Kultur eines Unternehmens. Die grossen Beratungshäuser kultivieren einen extremen Leistungsdruck. Ich mag Leistung, aber der Druck sollte aus dem Wunsch heraus entstehen, einen super Job zu machen, auf den man selbst stolz ist. Dazu gehört vor allem auch, seine eigenen Fähigkeiten gut einschätzen zu können und zu wissen, wo man Hilfe bekommt, wenn man nicht weiter weiss. Natürlich gelingt das nicht immer, aber das sollte unser Handeln prägen.

Gibt es in der Geschichte von Trivadis etwas, von dem Sie sagen, das haben wir genauso hingekriegt, wie ich es bei der Gründung erhofft habe? Gibt es auch das Gegenteil: was liess sich nicht so umsetzen, wie Sie es sich vorgestellt haben?

UL: Ich bin heute noch stolz auf die Art und Weise, wie wir miteinander umgehen, auf die enorme Hilfsbereitschaft und die sehr direkte Kommunikation. Das ist so, wie ich es mir erhofft habe. Leider hat das auch manchmal Kehrseiten. So versuchen wir bei bestimmten Problemen vielleicht zu lange, eine Lösung zu finden, anstatt den Entscheid zu fällen oder zu eskalieren.

Es ist kein Geheimnis, dass in der IT-Branche weiterhin ein hoher Fachkräftebedarf herrscht – was würden Sie einem jungen Menschen zu Beginn seiner Berufsausbildung heute empfehlen, wenn er in die IT will?

UL: Ich würde ihm empfehlen, zunächst mal als Trainee einzusteigen. IT-Beratung ist für junge Menschen perfekt, denke ich. Man sieht viele Projekte und unterschiedliche Kunden und ist weniger in der Firmenpolitik verstrickt, als wenn man festangestellt ist. Allerdings muss man sich als Trainee oder dann Junior Consultant auch mal anstrengen. Wenn man mehrere Projekte sehen will, muss man dafür was tun. Vorträge, Artikelschreiben, Kurse geben, da gibt es viel Entwicklungspotential. Hier braucht man eine Firma, die einen unterstützt – Trivadis macht, das denke ich, sehr gut.

Und wenn er sich selbstständig machen will?

UL: Selbstständig werden ist heute in einigen Punkten sicherlich einfacher. Man sollte vor allem darauf achten, dass man sich ein sehr gutes Netzwerk aufbaut.

Mit der Stabübergabe an die neuen Co-CEOs Ana Campos und Gerry Klump haben Sie ein weiteres Kapitel in der Geschichte von Trivadis aufgeschlagen – es ändert sich viel bei Trivadis, wie unterstützen Sie diese Reise?

UL: Ana und Gerry gehen einige Weg neu und das ist auch gut so. Ich bin immer dafür gewesen, Sachen auszuprobieren – d. h. Sachen, wenn sie gut sind zu behalten, wenn sie nicht gut sind zu verbessern und wenn sie schlecht sind, wieder zu ändern. Tut man dies nicht, bleibt man stehen und verschwindet über kurz oder lang vom Markt. In diesem Sinn haben beide Co-CEOs in der Transformation meine volle Unterstützung.

Wo bleibt sich Trivadis den Anfängen treu?

UL: Neben den Veränderungen ist unsere Kultur, die wir schon sehr früh festgelegt haben, immer noch ein wesentlicher Bestandteil von Trivadis und wird es auch bleiben.

Gibt es Expansionspläne, ein Blick in die Geschichte der Trivadis zeigt ihre stetige Ausdehnung?

UL: Unser aktueller Fokus liegt auf der Transformation in die vier Geschäftsfelder. Wir sind der festen Überzeugung, dass wir in diesen Geschäftsfeldern in den nächsten Jahren nachhaltig wachsen und erfolgreich sein werden.

Als Gründer, Miteigentümer, Interims-CEO und Verwaltungsratspräsident: welche Geschichte wäre Ihnen in der langen Geschichte von Trivadis lieber nicht passiert?

UL: Das IVZ-Projekt, bei dem der Kunde das Projekt kurzzeitig stoppte. An den 25. August 2015, an dem dies durch die Medien ging, erinnere ich mich heute noch sehr genau. Auch wenn wir verrückterweise keinerlei Schaden durch die vielen zum Teil negativen Artikel genommen haben, möchte ich so etwas nicht nochmals erleben. Einerseits hat mir dieser Vorfall eine kleine Idee davon gegeben, wie Leute sich fühlen müssen, bei denen die Presse noch viel stärker und über Monate berichtet. Andererseits haben wir gelernt, die Kommunikation zum Kunden auch in sehr kritischen Phasen nicht abbrechen zu lassen, um gemeinsam nach möglichen Lösungen zu suchen. So konnten wir das Projekt an Ostern 2018 erfolgreich einführen und das System läuft performant und stabil.

Bei welcher Anekdote aus der Firmengeschichte müssen Sie heute noch schmunzeln?

UL: Da gibt es viele. Zu meinen liebsten Anekdoten gehört die Geschichte eines Kunden, der fünf Jahre Forschungsdaten verlor. Er hatte über denselben Zeitraum das Backup-Protokoll mit dem Text „Backup-Failed“ sauber abgeheftet, aber suchte erst Hilfe, als das System wirklich nicht mehr lief. Oracle konnte hier nicht mehr helfen und wir haben es dann remote wieder hinbekommen. Aber mehr stolz macht es mich, wenn wir es schaffen, Leute mit Potential zu rekrutieren und sie bei uns ihre Laufbahn von Junior Consultant bis zum Principal Consultant, Niederlassungsleiter oder CEO machen.

Was finden Sie besonders spannend an der IT-Branche?

UL: Die IT ist die einzige Branche, in der Sie dreistellige Millionenbeträge ausgeben können und mit einem Delete *.* innert kürzester Zeit alles weg sein kann. So geschehen mit einem der grössten IT-Projekte in der Bankenwelt. Positiv an der Branche ist, dass man mit wenig Aufwand enormen Nutzen stiften kann. Mit den heutigen Technologien wird das immer spannender. Sie können unterschiedliche Services einbinden und bekommen erstaunliche Lösungen gebaut.

Die neue Vision von Trivadis lautet „Eine Welt ermöglichen, in der intelligente IT Leben und Arbeiten völlig selbstverständlich erleichtert.“ Wo setzen Sie intelligente IT im Alltag, beruflich oder privat, ein? Auf welche „intelligente IT-Lösung“ warten Sie noch?

UL: Meine Kinder lieben Alexa. Ich bin da eher skeptisch – auch wenn die Witze einen z. T. gut unterhalten. Auch die Spiele sind besser als erwartet. Trotzdem spiele ich lieber analog mit meinen Kindern. Wenn ich mir was wünschen würde, dann dass die vielen Komponenten, die man heute im Haus hat, besser überwacht und koordiniert werden. Meine Heizung hatte letztens einen kleineren Defekt, was ich erst nach drei Monaten gemerkt habe – da habe ich mich gefragt: Warum sendet das Ding nicht eine Warnung an den Monteur?

 

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