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IoT in Indien: Smarte Dörfer, dann erst smarte Städte

ykopp.jpgUnsere Consultants, Developer und Trainer sind in ganz Mitteleuropa für die Trivadis im Einsatz. Doch manche Mitarbeiter zieht es noch weiter in die Ferne. So wie Yannik Kopp, seines Zeichens Cloud Solutions Consultant bei Trivadis. Yannik verbrachte letzten Sommer privat zwei Monate in Indien, um in Neu-Delhi zu leben. Er wollte die unterschiedlichen Kulturen des Subkontinent näher kennen lernen und außerhalb seiner Komfortzone wohl auch ein stückweit sich selbst. Indien ist für Yannik ein Land der Extreme und Gegensätze, das ihn nicht selten an seine eigenen Grenzen führte und trotzdem Tag für Tag auf ein Neues faszinierte.

Yannik ist aber nicht nur begeisterter Reisender, sondern vor allem auch ITler durch und durch. Und so verwundert es auch nicht, dass sich auch dieses Thema wie ein roter Faden durch seine Indienreise zog. Schon seit seinem Informatikstudium beschäftigt Yannik sich mit innovativen und zukunftsweisenden Projekten, insbesondere im Bereich des Internets der Dinge. So führte ihn seine Faszination für das IoT von der Startup-Szene Neu-Delhis bis in den tiefsten Dschungel im Landesinneren, wo er zahllose spannende Projekte, aber vor allem Menschen kennen lernen durfte. Das Schönste dabei, so Yannik, sei es gewesen, zu sehen, wie innovative IT-Projekte das Leben der Menschen in Indien nachhaltig verbessern. Ein beindruckend positiver Aspekt des IoT, ganz abseits des klassischen Strebens nach Profitabilität.

Smarte Dörfer, dann erst smarte Städte

Indien setzt auf das Internet der Dinge: In den vergangenen Monaten hat die indische Regierung rund 15 Milliarden US-Dollar in smarte Projekte investiert. Doch die staatlich subventionierten Schritte in die digitale Zukunft kranken an ähnlicher Stelle wie viele Digitalisierungsprojekte in Unternehmen. Welche Lehren kann man aus der schwierigen Vernetzung im zweitbevölkerungsreichsten Land der Erde für die Digitalisierung in Europa ziehen?

Viele Menschen in Indien erwarten ihn sehnsüchtig: den Monsun − die alljährliche Regenzeit. Selbst in der Hauptstadt Neu-Delhi regnet es bis in den Sommer hinein kaum. Die meisten Inder freuen sich deshalb über die Sturzfluten vom Himmel. Der Monsun kurbelt die Wirtschaft an, kühlt die Temperaturen ab und ist deshalb für viele auf eine gewisse Art auch romantisch. Bei aller Vorfreude, der Monsun bedeutet aber auch immer Chaos in indischen Städten. Viele Straßen sind überflutet, denn das Wasser kann oft nicht richtig abfließen. Mehrmals am Tag fällt für einige Sekunden der Strom aus, bis die Generatoren anspringen, und auch das Telefonnetz bricht häufig bei starkem Regen zusammen. Die Regenzeit macht deutlich, wie anfällig die Infrastruktur in indischen Städten ist, denn viele technische Konstruktionen zeugen von wilder Improvisation.

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Das smarteste Dorf Indiens

Genau diese Improvisation macht die weitere Vernetzung der indischen Städte, den Schritt hin zu Smart Cities, so schwierig. Das erfahre ich bei einem Treffen mit Ashok Das, dem Gründer und CEO der Firma Sun Moksha. Er ist überzeugt: „Es wird Jahrzehnte dauern, in Indien smarte Städte zu bauen. In dieser Zeit kann ich das Leben in tausend Dörfern mit Hilfe von Smartcity-Technologien verbessern.“


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 Ashok weiß, wovon er redet, denn um seine Theorie zu beweisen hat er in Ostindien ein richtungsweisendes Projekt ins Leben gerufen. Das abgelegene Dorf Chhotkei haben er und seine Firma mit einer 30KW-Solaranlage ausgerüstet. Die Bewohner dort versorgen sich nun selbst mit Strom. Sensoren überwachen den Stromverbrauch und leiten die zugehörigen Daten in die Cloud. Stromnachfrage und Angebot lassen sich so bequem aus der Ferne managen. Dank des Einsatzes von „Predictive Maintenance“ werden notwendige Reparaturen an der Solaranlage frühzeitig erkannt. Mit einer App kann jeder Dorfbewohner genau nachvollziehen, wie viel Strom er im letzten Abrechnungszeitraum verbraucht hat und auch direkt die fällige Rechnung begleichen. Ein weiterer spannender Faktor für den Erfolg des Projekts: die Dorfbewohner kümmern sich nach einer Schulung durch Ashoks Mitarbeiter selbst den Erhalt der Solaranlage und führen kleinere Reparaturen selbständig aus. Das reduziert Ausfallzeiten und spart dazu noch Kosten - Hilfe zur Selbsthilfe in Zeiten des IoT. Das Projekt schlägt weit über die Grenzen des kleinen Dorfes Wellen, Ashok hat damit sogar den Preis der indischen Regierung als Vorzeige-Smartvillage gewonnen.

Narendra Modis smarte Vision

Experimente wie in Chhotkei genießen den Segen von ganz oben. Denn die vor rund einem Jahr ins Leben gerufene „Smart Cities Mission“ gilt als Vorzeigeprojekt von Regierungspräsident Narendra Modis. Einhundert Städte in Indien sollen im Zuge der Initiative zu smarten Städte avancieren, eine stabilere Infrastruktur bekommen und dank smarter Lösungen bessere Lebensbedingungen für ihre Bewohner bieten. Das betrifft insbesondere eine sichere Wasserversorgung, Elektrizität, Abfallentsorgung, öffentliche Transportmittel und eine stärkere Vernetzung zwischen Verwaltung und Bürgern. Rund 15 Milliarden US-Dollar will die indische Regierung in diese Mission investieren.

Der Enthusiasmus der Volksvertreter für das Trendthema Smart Cities wird allerdings nicht von allen Indern gleichermaßen geteilt. Einer meiner indischen Bekannten etwa vermisst bei dem von den meisten indischen Medien hochgelobten Konzept die Relevanz für die Lebensrealität seiner Landsleute. Er wünscht sich weniger Schlaglöcher in den Straßen statt stärker vernetzter Großstädte. Ein anderer kritisiert, dass Städteentwicklung in Indien neuerdings schlicht mit dem Begriff Smart City gleichgesetzt wird. Seiner Meinung nach müssten indische Städte nicht "smarter" werden, sondern zunächst erst einmal überhaupt sichere und stabile Infrastruktur realisieren lernen.

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Lehren für die Digitalisierung zu Hause

Spätestens hier erkenne ich Parallelen zu den Digitalisierungsprojekten, mit denen ich täglich zu Hause befasst bin. Wie die indische Regierung haben auch viele Unternehmen in Europa die Chancen der Digitalisierung längst erfasst und erste Schritte in die richtige Richtung unternommen. Aber genau wie von meinen Bekannten in Neu-Delhi und Co. moniert, stürzen sich viele Firmen Hals über Kopf in hochkomplexe Projekte, ohne zunächst einmal die Ausgangslage und das eigentliche Endziel vernünftig analysiert zu haben. Die meisten Unternehmen wollen zu schnell zu viel. Sie träumen von der Smart Factory, den volldigitalisierten Geschäftsprozessen, ohne die eigene IT-Infrastruktur im Kern zu verstehen. Das kann nicht funktionieren und sorgt nicht selten für Passivität und Unverständnis innerhalb der eigenen Belegschaft.

Ähnlich dem per Solaranlage erfolgreich elektrifizierten kleinen Dorf Chhotkei kann es sich auch für Unternehmen hierzulande lohnen, die Digitalisierung zunächst im eng begrenzten Rahmen anzustoßen. Anhand der so leicht zu erzielenden Erfolge, lassen sich Erkenntnisse für Folgeprojekte sammeln. Wie in Chhotkei sollten sie sich dabei auf erfahrene Partner und Experten stützen, die ihnen nicht bloß von oben vermeintliche One-Size-Fits-All-Lösungen aufoktroyieren, sondern vielmehr gemeinsam mit ihnen individuelle, passgenaue Lösungen entwickeln. Es kann und darf nicht das Ziel von Partnern sein, Projekte so zu gestalten, dass sie nicht zumindest in großen Teilen von bzw. gemeinsam mit den Mitarbeitern vor Ort und auf Grundlage deren Inputs, deren Know-How realisiert werden können. Nur so lassen sich wirklich nachhaltige Erfolge erzielen und deshalb vertrauen wir bei Trivadis auf genau diesen Ansatz. Die smarte Zukunftsvision wird so auch in europäischen Unternehmen − egal ob klein oder groß − Realität.

 

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