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Industrie 4.0 - Nachgefragt bei Prof. Dr. Kölmel

Am 5. Juli 2018 findet der 6.Trivadis Schwabengipfel in Stuttgart statt. Unter dem Motto „Digitalisierung? Läuft!“ stehen auch dieses Jahr wieder spannende Vorträge auf dem Programm. Eine der drei Keynotes hält Prof. Dr. Kölmel, Professor Global Process Management an der Hochschule Pforzheim und Experte im Themengebiet der digitalen Innovationen im Internet of Things & Services der total vernetzten Welt. In seinem Vortrag „Die Zukunft der Herrgottsbscheisserle – Warum Industrie 4.0 nicht genug ist“ diskutiert er mögliche Zukunftsszenarien am Beispiel der schwäbischen Spezialität der Maultaschen. Wir haben vorher schon mal nachgefragt, um was es in seiner Keynote genau geht.

Ihr Vortrag auf dem Schwabengipfel trägt den Titel „Die Zukunft des Hergottsbscheisserle“. Soll das heissen, dass die „schwäbischen Ravioli“ als nächstes digitalisiert werden?

Prof. Dr Bernhard Kölmel_modifiziertProf. Dr. Kölmel: Natürlich werden hoffentlich in Zukunft auch die Maultaschen als schwäbisches Original auf den Tisch kommen, aber der tieferliegende Sinn des provokanten Titels ist es, dass in absehbarer Zeit die „Grundgesetze“ aller Produkte und Dienstleistungen auf den Prüfstand kommen. So ist es zu erwarten, dass Teile der Ernährung nach Analyse des Bluts und nach einer Genanalyse individuell hergestellt werden - auf Basis eines personalisierten 3D-Drucks  mit Insekten als Ingredienzien. Die digitale Disruption wird alle Branchen verändern! Manche langsamer, manche schneller, aber alle Wertschöpfungsmuster werden auf den Kopf gestellt! Eben auch solche, die wir für traditionell bodenständig halten, wie das Hergottsbscheisserle.

Sie stellen die These auf, dass Industrie 4.0 nicht genug ist. Genug wofür, und was fehlt Ihrer Meinung nach?

Prof. Dr. Kölmel: Viele Initiativen fokussieren mit dem Industrie 4.0-Ansatz auf Effizienzsteigerung (schneller, billiger, höhere Qualität). Wenn aber gewisse Produkte nicht mehr gebraucht werden, dann bringt auch eine höhere Effizienz bei der Erstellung nichts. Beispiel Nokia oder jetzt althergebrachte Antriebskonzepte in Autos. So wurden Segelschiffe durch Dampfschiffe, die Langspielplatte durch MP3s und traditionelle Kameras durch Digitalkameras in ein Nischendasein gedrängt und sind wirtschaftlich kaum noch von Bedeutung. Das Gleiche passierte dem Pferdefuhrwerk durch das Auto, diesem wieder durch Mobilitätsdienste − aber so weit ist es noch nicht.

Maultaschen_Quinntheislander auf PixabyPhoto by Quinntheislander auf Pixaby

Sie sind neben Ihrer Berufung an der HS Pforzheim im Silicon Valley als Berater für Start-ups tätig. Welche Gemeinsamkeiten sehen Sie zwischen der dortigen Technologie- und Gründerkultur, und der in Schwaben? Wo liegen die jeweiligen Stärken? 

Antwort Prof. Kölmel: Schaffe, schaffe … allerdings nicht Häusle baue, sondern Lösungen. Mehrwertstiftende Systeme aus Hard- und Software werden im Silicon Valley mit agilen Konzepten erstellt. In Deutschland werden vorwiegend hochwertige Produkte (Maschinen, Autos etc.) gebaut. Dabei sind die Vorgehensweisen sehr unterschiedlich, im Ländle legt man mehr Wert auf Qualität und Effizienz, im Valley auf Geschwindigkeit! In Zukunft müssen beide Vorgehensweisen miteinander kombiniert werden.

Reicht es aus, wenn sich ein deutsches KMU einen kompetenten Partner sucht, um die digitale Transformation zu vollziehen?

Prof. Dr. Kölmel: Natürlich reicht das nicht, ein Unternehmen wie Trivadis bringt zwar sowohl die technische als auch die organisatorische Kompetenz mit, ein Unternehmen bei der digitalen Transformation zu begleiten. Wenn es aber um digitale Disruptionen geht, dann muss das Unternehmen einen Kulturwandel vollziehen und sowohl Top-down als auch Bottom-up die Weichen stellen, um langfristig erfolgreich zu bleiben.


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Topics: Nachgefragt Events Industrie 4.0 Internet of Things