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Gemeinsam gegen Stereotypen (Fortsetzung)

teaser_e-mail-newsletter_ana-campos_3Heute vor einem Jahr fand in der Schweiz der zweite historische Frauenstreik statt. Was hat sich seither getan? In der Politik viel, in der Wirtschaft wenig. Eine Zwischenbilanz mit Lösungsansatz.

Am Freitag, den 14. Juni 2019, sind in der Schweiz über 500'000 Frauen (und einige Männer) auf die Strasse, um für Gleichstellung in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zu protestieren. Nach 1991 war dies der zweite landesweite Aufmarsch, der lauter, bunter und vehementer nicht hätte sein können. Umso erstaunlicher fällt das Fazit darüber aus, was davon (nicht) geblieben ist. 

Schauen wir uns den Global Gender Gap Report des letzten Jahres an – ein Report, der jedes Jahr untersucht, wie es weltweit um die Gleichstellung in den Bereichen Wirtschaft, Bildung, politische Mitsprachemöglichkeiten und Gesundheit steht –, finden wir die Schweiz unter 153 untersuchten Ländern auf Platz 20, Deutschland auf Platz 14 und Österreich auf Platz 53. Gemäss der aktuellen Ausgabe des Reports haben alle drei Länder ihr Ranking in der Zwischenzeit verbessert: So hat die Schweiz um 2 Plätze zugelegt, während Deutschland sich um 4 Plätze und Österreich gar um 19 Plätze verbessert hat. Spitzenreiter bleibt Island.

Weiterhin wenig Frauen in Führungspositionen

Beschäftigt man sich eingehender mit dem Report, wird deutlich, dass die Verbesserungen vor allem auf eine stärkere Vertretung von Frauen in Regierung und Parlament zurückzuführen sind. So ist zum Beispiel in der Schweiz der Anteil Frauen im Nationalrat bei den eidgenössischen Wahlen im Oktober 2019 von 32% auf 42% gestiegen. Auch in Deutschland sind mittlerweile 40% der Ministerposten in Bund und Ländern mit Frauen besetzt.

Anders hingegen sieht die Entwicklung in der Wirtschaft aus, wo die Unterschiede weiterhin eklatant sind. So verdienen Männer in der EU durchschnittlich immer noch 16% mehr als Frauen, wobei dieser Wert mit der Höhe der Position steigt. Auch ist der Anteil Frauen in Führungspositionen weiterhin gering. In Verwaltungs- und Aufsichtsräten etwa beträgt dieser in der Schweiz 21.3%, in Deutschland 31.9% und in Österreich 19.2%. Auch in der IT finden sich weiterhin wenig Frauen, obwohl IT gerade in ihren Anfängen ohne Frauen gar nicht erst möglich gewesen wäre, wie ich in meinem Beitrag zum Internationalen Frauentag 2020 dargelegt habe

Während wir bei Trivadis sämtliche Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern in gleichen Funktionen bereits per 1. Juni 2019 beseitigt haben, können wir beim Anteil Frauen in Führungspositionen ebenfalls noch einen Zahn zulegen – auch wenn die Zahlen steigen.

Männer stärker einbeziehen

Die oben genannten Zahlen und ihre Entwicklung zeigen, dass bisherige Bemühungen etwa in Bezug auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf offensichtlich nur wenig am Status quo rütteln. Da drängt sich unweigerlich die Frage nach dem Warum auf.

Warum sind Fortschritte gerade in der Wirtschaft so harzig?

Vielleicht hat es damit zu tun, dass wir Gleichstellung vielerorts immer noch reflexartig als «Frauensache» betrachten – dies trifft sowohl auf Frauen als auch auf Männer zu, und auch wir bei Trivadis sind vor diesem Trugschluss nicht gefeit. Aber wenn unsere männlichen Kollegen gerade in Führungspositionen die viel grössere Gruppe ausmachen – wieso fordern und fördern wir dann ihre aktive Unterstützung nicht stärker (ein), wenn es um die Gleichstellung geht? Ein kurzer Search auf LinkedIn zeigt: Gleichstellungsbeauftragte sind – mit ganz wenigen Ausnahmen – Frauen. In Anbetracht der stagnierenden Entwicklung in der Wirtschaft sind Unternehmen vielleicht gut beraten, gemischte Teams aufzustellen.

Es ist eben letztlich, wie ich es bereits in meinem letzten Artikel zum Frauenstreik angedeutet hatte: Für die Gleichstellung braucht es uns alle. Wenn wir so weitermachen wie bisher, wird es laut dem neusten Global Gender Gap Report 95.5 Jahre dauern, bis wir sie erreicht haben. Wir können Gas geben – indem wir alle miteinbeziehen.