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Gemeinsam gegen Stereotypen

Überall in der Schweiz gehen heute Frauen auf die Strasse. Zum zweiten Mal nach 1991 wollen so Hunderttausende darauf aufmerksam machen, dass Frauen nach wie vor nicht gleichberechtigt behandelt werden. Ana Campos, Co-CEO von Trivadis, setzt sich stark für die Gleichstellung in dem von ihr geführten Unternehmen ein. Zugleich ist sie fest davon überzeugt, dass gelingende Gleichstellung vor allem eine Frage des Mindsets ist.

ana-round-finalDer heutige Tag hat für die Schweiz Symbolkraft: Denn vor genau 38 Jahren, am 14. Juni 1981, wurde die Gleichstellung von Mann und Frau in der Schweizer Bundesverfassung verankert. Seither hat sich vieles verbessert. In manchen Bereichen aber haben Frauen immer noch das Nachsehen.

Schaut man sich die Gleichstellungs-Rangliste des Global Gender Gap Report 2018 des WEF an, staunt man nicht schlecht, wenn man Länder wie Deutschland oder die Schweiz auf Platz 14 respektive 20 findet – hinter Ländern wie Ruanda (Platz 6) oder Namibia (Platz 10).

Neben ungleichen Bedingungen – zum Beispiel im Hinblick auf die Verteilung von Teilzeitarbeit oder die Vereinbarkeit von Familie und Beruf – geben die eklatanten Gehaltsunterschiede hierzulande am meisten zu denken. So verdienen Frauen immer noch rund einen Fünftel weniger als Kollegen in einer vergleichbaren Position. In fast der Hälfte der Fälle lassen sich die Unterschiede nicht durch Faktoren wie Ausbildungsniveau oder Branche erklären. Sie resultieren häufig aus einer Diskriminierung aufgrund des Geschlechts.

Das darf und kann selbstverständlich nicht sein.

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Daher haben auch wir bei Trivadis unsere Hausaufgaben gemacht und per 1. Juni sämtliche Gehaltsunterschiede zwischen Frauen und Männern in gleicher Funktion beseitigt. Das heisst, alle Mitarbeitenden mit derselben Aufgabe und Verantwortung erhalten bei Trivadis fortan dasselbe Gehalt. Insgesamt konnten wir knapp ein Prozent der Gehälter korrigieren. Übrigens: Auch Gerald Klump, mein Co-CEO-Kollege, und ich verdienen – ganz selbstverständlich – gleich viel.

Zudem ist es uns in den letzten Jahren mit gezielten Massnahmen gelungen, den Anteil Frauen bei Trivadis über alle Abteilungen und Funktionsstufen hinweg zu erhöhen. So sind unter anderem die Positionen in der erweiterten Geschäftsleitung zu annähernd 25 Prozent von Frauen besetzt. Zuvor war hier nicht eine Frau vertreten. Auch konnten wir den Anteil Beraterinnen und den Anteil weiblicher Führungskräfte um 30 Prozent resp. 50 Prozent steigern. Den eingeschlagenen Weg werden wir konsequent fortführen, um weiterhin zur Gleichstellung beizutragen. Von «beitragen» spreche ich hier bewusst: Denn allein können Unternehmen die Gleichstellungsfrage nicht lösen.

Schliesslich hat es viel mit traditionellen Rollenbildern und Stereotypen zu tun, wenn wir mit der Gleichstellung heute noch nicht so weit sind, wie wir uns das wünschen. Unsere Bilder beeinflussen, wie wir miteinander umgehen und welche Chancen wir einander geben. Sie bestimmen mit, welche Ausbildungen und Berufe Frauen wählen oder in welchem Rahmen sich Beruf und Familie vereinbaren lassen. Das wiederum wirkt sich auf das Gehalt aus, das Frauen verdienen, was wiederum geschlechtsspezifische Rollenbilder zementiert. Aus diesem Teufelskreis kommen wir nur heraus, wenn wir allesamt unser Mindset ändern.

Gleichstellung für alle

Es geht darum, ein Mindset zu entwickeln, in dem es völlig selbstverständlich ist, dass alle Menschen gleichbehandelt werden – unabhängig von ihrem Geschlecht, ihrer sexuellen Orientierung oder ihrer Herkunft. In dem es völlig natürlich ist, dass Frauen CEOs und gleichzeitig Mütter sind – wie zum Beispiel in meinem Fall. Und in dem es normal ist, dass Männer Geburtshelfer sind, wie es derzeit eine TV-Serie vormacht.

Gleichstellung betrifft und braucht deshalb uns alle. Gleichstellung erreichen wir, wenn wir uns füreinander einsetzen und uns die Stereotypen, nach denen wir unser Handeln häufig ausrichten, immer wieder bewusst machen.

Wenn wir so weitermachen wie bisher, wird es laut dem WEF noch 108 Jahre dauern, bis die Kluft zwischen den Geschlechtern überwunden ist. Wir können einen Zahn zulegen. Es liegt an uns allen.

 

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