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Digitalisierung der Energiewirtschaft: Vorreiter oder Schlusslicht?

Die Energiewirtschaft verschläft die Digitalisierung. So lautet das plakative Ergebnis einer aktuellen Umfrage unter 61 Vorständen und Geschäftsführern der Branche, die von Ardour Consulting Ende 2016 veröffentlicht wurde. Die befragten Energieunternehmen bestätigen die Brisanz und Notwendigkeit der Digitalisierung – die Gefahr ist also erkannt. Aber gebannt ist sie noch lange nicht: 90 Prozent geben an, keine Digitalstrategie zu verfolgen. Für den Schweizer Raum zeichnet das Statistikportal DeStatista ein ähnliches Bild. Im Jahr 2016 schätzen lediglich 16 Prozent der befragten Schweizer Energieversorgungsunternehmen ihren Digitalisierungsgrad als hoch ein. Hinkt die Energiewirtschaft der Digitalisierung tatsächlich hinterher?

Björn Bröhl, Head of Marketing Communications & Sales beim IT-Dienstleister Trivadis, sieht das anders:

BJB_19x19 Klein.jpg„Die digitale Transformation macht auch vor der Energiewirtschaft – egal ob in Deutschland, Europa oder weltweit – keinen Halt. Die Digitalisierung, das Internet der Dinge (IoT), Industrie 4.0 und Big Data sind heute bereits keine Zukunftstrends mehr. Sie sind im Alltag angekommen und nicht mehr wegzudiskutieren. Die technologischen Neuerungen stellen Unternehmen – auch die der Energiewirtschaft − vor viele Herausforderungen, bieten ihnen zeitgleich aber auch große Chancen. Denn das Internet der Dinge, Big Data Analytics und Co bieten Versorgern enorme Potentiale, ihre Geschäftsmodelle zu vereinfachen und zu erweitern, um sich Wettbewerbsvorteile zu sichern und sich damit zukunftssicher aufzustellen. Die große Hausaufgabe der Energieunternehmen ist es also, sich nicht nur mit den technologischen Neuerungen im Bestehenden zu arrangieren. Vielmehr müssen sie den Stier bei den Hörnern packen und sich mit neuen Geschäftsmodellen fit für die digitale Zukunft machen.

Erste Digitalisierungsprojekte bereits realisiert

Die deutsche Energiebranche befindet sich bei weitem nicht so tief im Dornröschenschlaf, wie es uns die Ergebnisse der Umfrage vermitteln. Wir haben bereits mehrere Projekte mit Kunden aus unterschiedlichen Teilbereichen der Energiebranche in Deutschland und der Schweiz realisiert. Beispielsweise haben wir mit einem deutschen Übertragungsnetzbetreiber eine intelligente Big-Data-Lösung entwickelt. Sie sammelt, archiviert und analysiert alle Daten, die zur Überwachung und Steuerung eines Stromnetzes notwendig sind. Bereits 2012 startete die erfolgreiche Zusammenarbeit mit der Entwicklung und Implementierung eines Prozessdatenarchivs. Allgemeine Abfragen zum Netzbetrieb müssen so nicht länger aufwändig und ineffizient vom Netzleitsystem geliefert werden, sondern werden bequem vom neu entwickelten Prozessdatenarchiv abgedeckt. Durch die stetige Weiterentwicklung der Applikation und das Zusammenführen von Daten und Informationen aus anderen Systemen, erweitert sich das Einsatzspektrum fortlaufend; daraus lassen sich beispielsweise auch Erkenntnisse für neue attraktive Angebote für Endverbraucher ableiten – und das Potential der Lösung ist noch lange nicht ausgeschöpft!

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Erfolgreiche Errichtung eines IoT-Windparks

Ein weiteres Projekt, das wir beim Schweizer Energieversorger IWB realisiert haben, zeigt deutlich, wohin die Reise in Zukunft geht: Das Unternehmen betreibt heute die erste produktive IoT-Plattform in der Schweiz auf Basis der Microsoft Azure Cloud. Mit Hilfe der Lösung überwacht IWB die Stromproduktion ihrer Windparkanlagen länderübergreifend und in Echtzeit. Die gewonnenen Informationen nutzt das Unternehmen dazu, effizienter Stromhandel zu betreiben. Zudem sind die aktuelle Stromproduktion der Windparks und einzelner Turbinen trotz teilweise erheblicher technologischer Unterschiede zu jeder Zeit konsistent und transparent nachzuvollziehen; bei Fehlverhalten der Anlagen kann das Energieversorgungsunternehmen ohne Verzögerung eingreifen.

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Diese Beispiele zeigen, dass sich die Energiewirtschaft durchaus am Puls der Zeit bewegt und es bereits einige erfolgreich realisierte Digitalisierungsprojekte gibt. Das düstere Bild, das die Umfragen zum Digitalisierungsgrad der Energiebranche zeichnen, können wir folglich so nicht bestätigen. Sicher ist die vierte industrielle Revolution noch nicht flächendeckend in der Branche angekommen – aber auf welche Branchen trifft dies denn schon zu? Wir beim IT-Dienstleister Trivadis beobachten eine wachsende Nachfrage nach Digitalisierungsprojekten auch aus der Energiewirtschaft. Dies zeigt uns deutlich, dass die Branche sich auf einem guten Weg in die digitale Zukunft befindet.“

 

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Topics: Kommentar Internet of Things Digital Business Transformation