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Der Mensch bleibt analog

Ana_CamposEin Gespenst geht um in der Digitalisierung: die Angst, dass irgendwann nicht nur das Business, sondern auch alles Menschliche binärer Zahlenlogik unterliegt, sozusagen wegprogrammiert sein wird. Vom Homo sapiens zum Robo sapiens? Ein Trugschluss.

Ein warmer Händedruck, ein freundlicher Blick in die Augen oder ein persönlich überreichtes Geschenk – zwischenmenschliche Gesten wie diese scheinen in Zeiten der Digitalisierung immer stärker durch Wischbewegungen, Blicke in Laptop-Kameras oder Emoticons ersetzt zu werden. Doch wird der Mensch irgendwann genauso «wegdigitalisiert» sein wie Strassenkarten oder Schallplatten?

Geht es nach Transhumanisten wie Ray Kurzweil wird dies schon bald so sein. Ihm zufolge können wir bereits in 20 bis 30 Jahren unser Gehirn komplett einscannen, auf einen Computer laden und als Software weiterleben lassen. Was wie ein schlechter Scherz klingt, wird beklemmend, wenn man bedenkt, dass Kurzweil kein dahergelaufener Spinner ist, sondern Director of Engineering bei Google.

Nur der Mensch verleiht Dingen ihre Bedeutung

Als Co-CEO eines Unternehmens, das seine Kunden in die digitale Zukunft begleitet, verstehe ich, dass Prognosen wie die von Kurzweil Angst machen. Gerade in meiner Rolle will ich aber auch Einspruch erheben. Denn derartige Prognosen basieren auf der Annahme, dass sich sämtliche Aspekte menschlichen Handelns, Denkens und Erlebens als Informationsprozesse modellieren und digital simulieren lassen. Dabei wird jedoch ein wesentlicher Aspekt ignoriert: Nur wir Menschen besitzen die Fähigkeit, jemandem oder etwas einen Sinn und eine Bedeutung zu verleihen und daraus Neues zu erschaffen.

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Sinnhaftigkeit und Bedeutung sind nicht «einfach so» oder «von vornherein» da, sondern entstehen in der Interaktion. Niemand wird abstreiten wollen, dass neue Medien unsere sozialen Beziehungen beeinflussen. Bis zu welchem Grad sie dies tun, entscheiden aber nicht sie, sondern wir. Neue Technologien sind Mittel zum Zweck – nicht mehr und nicht weniger. Sie helfen uns, unser Leben und Arbeiten zu vereinfachen. Mein iPhone und mein Microsoft Surface zum Beispiel sind wichtige Begleiter in meinem Alltag. Sie sind jedoch nicht in der Lage, aus sich heraus eine Bedeutung oder einen Sinn zu generieren. Dies übernehme ich.

Vertrauen, Intuition und Empathie lassen sich nicht programmieren

Mit der oben beschriebenen urmenschlichen Fähigkeit der Sinn- und Bedeutungsgebung gehen Eigenschaften wie Verletzlichkeit, Vertrauen, Intuition und Empathie einher. Und auch sie lassen sich nicht «programmieren». Eine Maschine, egal wie intelligent sie auch sein mag, wird nie in der Lage sein, einen Menschen ganzheitlich wahrzunehmen, mit all seinen Schattierungen und Brüchen – selbst dann nicht, wenn sie all seine digitalen Spuren kennt. Unser Bauchgefühl und unser Gespür für Zwischentöne sind nicht imitierbar und bleiben einzigartig individuell.

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Ebenso urmenschlich ist unsere Liebe für das Mystische, Magische und Rätselhafte – und letztlich auch unsere Irrationalität. Ist es nicht gerade das, was Zauber in unser Leben bringt? Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass sich zwei Maschinen beim Abendessen gegenseitig stundenlang Blödsinn erzählen und vor lauter Lachen Bauchweh bekommen.

Das Business wird zunehmend digital. Das ist nicht von der Hand zu weisen. Wir können die neuen Technologien nutzen, um unser Leben und Arbeiten zu vereinfachen. Wie dies genau geschieht, entscheiden wir als Menschen. Nur wir können umfassende Bedeutungszusammenhänge kreieren und dem Leben Sinn geben. Deshalb werden wir – mit all unseren Ecken und Kanten – auch analog bleiben. Und es werden genau diejenigen am erfolgreichsten sein, die in einer digitalisierten Welt das Menschliche als Differenzierungsfaktor und als Stärke für sich zu nutzen wissen.

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Topics: Kommentar Digital Business Transformation